Die meisten Besucher reisen mit dem Zug an. So auch wir. Die Fahrt ging von Ollantaytambo nach Aguas Calientes und führte wunderschön entlang des Rio Urubamba. Links und rechts anfangs noch Ackerflächen, später nur noch steile Berghänge beidseits. Wir sahen auch den Berg Nevado Veronica. Bei der Erstbesteigung war auch ein Schweizer dabei.
Aguas Calientes
Hier übernachteten wir für zwei Nächte im Hostal El Mistico. Die Städtchen ist hübsch und es fahren keine Autos, ausser die Busse zum Eingang von Machu Picchu. Alle Lieferungen kommen per Bahn. Am Güterbahnhof stapelte sich alles von Bierkisten bis zu Toilettenpapier. Irgendwie hatte die Szene etwas von Wild West. Alle Waren werden auf zweirädrigen Handkarren durch die steilen Gassen transportiert. So auch unsere Rucksäcke – vom Bahnhof hoch zum Hostel.
Machu Picchu
Es ist ein Hype entstanden, möglichst früh zu starten. Viele drängen auf den ersten Bus ca. um 5. Wir nicht. Nach dem Zmorge und immer noch rechtzeitig, fuhren wir um halb 8 los. Eine Serpentinenstrasse hoch führte zum Eingang. Beim Eingang dann wurde es erstmals spannend: Netti und Christin wollten mit Walking Sticks rein, obwohl diese auf der Anlage eigentlich verboten sind. Ein Mann vom Personal machte die beiden bestockten Gesetzesbrecher umgehend darauf aufmerksam. Nur einen Stock pro Person erlaubte er. Sie redeten etwas um den heissen Brei und zeigten auf ihre “Kriegsverletzungen”. Wir versprachen je einen Stock abzugeben und taten es – natürlich nicht.
Wir planten zunächst den Machu Picchu zu erklimmen. So heisst eigentlich der höhere der zwei Gipfel, nicht die Stätte selber. Übersetzt heisst es etwa “alter Berg”. Dieser Gipfel ist höher, dafür weniger steil und weniger überlaufen.
Am Eingang drängte uns dann ein Guide mit ihm zunächst eine Tour zu machen. Den Berg könnten wir dann anschliessend immer noch machen, meinte er. Netter Versuch… Auf einen Berg geht man früh und sicher nicht in der Mittagssonne, zudem ist der letzte Einlass zum Berg um 11:00. Dankend lehnten wir ab und begannen mit dem Aufstieg. Stufen, Stufen und noch mehr Stufen. Langsam gehen war angesagt. Jeder fand bald sein eigenes Tempo. Immer wieder lagen schöne Plätze am Weg, die zum Durchatmen und Fotosmachen einluden.
Der Aufstieg war länger und härter als erwartet. Aber es gab kein Zurück. Netti und Christin waren sehr froh die Stöcke doch reinbekommen zu haben. Natürlich trugen sie dabei auch zur unnatürlichen Erosion der Inkasteine bei. Zur frühen Mittagspause wollten wir oben sein. Und wir schafften es! Zunächst genossen wir die Aussicht und machten einige Fotos.

Geschafft! Yuuuuhu! Von hier hatten wir tolle Sicht auf die Ruinen und die herrlich grüne Landschaft mit beschneiten Gipfeln im Hintergrund.
Auf dem Gipfel fanden wir eine ruhige Ecke für unsere Mittagspause. Ich war Lastesel und trug neben Wasser für Christin noch essen für alle hoch: Brot, Käse, Butter, Avocado, Mandarinen. Dabei soll erwähnt sein, dass offiziell kein Essen auf das Gelände genommen werden darf. Wir wussten aber, dass keine Kontrolle stattfindet. Auch oben, wo alle ihr Essen auspacken, werden beide Augen zugedrückt. Nur in den Ruinen selber herrscht Nulltoleranz.
Um 12:00 begannen wir den einstündigen Abstieg. Noch eine kleine Fotopause, dann suchten Christin und ich einen Guide für die Besichtiging der Ruinen. Den fanden wir bald. Dabei wollten wir noch eine Coca Cola kaufen. Den ganzen Abstieg hatten wir uns drauf gefreut. “Sorry, only Cola Zero”, meinte die Dame beim Kiosk. Neiiiin, so eine Enttäuschung. Eine Cola Zero für soviel Geld kam auch nicht in Frage. Also dann halt ein isotonisches Getränk.
Mit Guide und Getränk gings zurück zu Netti und unsere Runde durch die Ruinen startete. Sie sind wirklich einmalig. Zum Einen wegen der spektakulären Lage, zum Andern sind sie zu 80-90% erhalten. Die Spanier hatten nämlich Machu Picchu nicht entdeckt, sonst hätten sie wohl – wie vielerorts – alles zerstört und es gäbe nur Steinhaufen zu betrachten. Erst der amerikanische Professor Bingham entdeckte 1911 mit lokaler Hilfe die Stätte. Alles war überwachsen und musste zuerst vom Gestrüpp befreit werden.
So gegen fünf fuhren wir müde zurück ins Tal. Da war die letzte Sonne schon lange weg und es wurde wieder kühl. Für die warmen Quellen waren wir zu müde, die warme Dusche war umso besser.
Rückreise
Am nächsten Morgen fuhren wir mit Muskelkater, der noch weitere Tage anhalten sollte, nach Cusco. Da waren nämlich die Festaktivitäten zu Inti Raymi schon im Gange. Am Bahnhof und im Zug fanden wir Zeit zur Verarbeitung des Erlebten. Etwas seltsam dieses Geschäft, was mit der Zugfahrt betrieben wird. Viele geniessen wohl im sauber geputzten Panoramawagen zu fahren. Wir auch. Aber genauso gerne würden wir mit Einheimischen im Zug sitzen. Es gibt Zugtickets, Wagons und Warteräume exklusiv für Touristen. Genauso gibt es Tickets, Wagons (im selben Zug) und Warteräume für Peruaner. Naja, jedem seins? Nein, die Wahl hat man nicht! Komisches Gefühl. An was errinnert mich das?

Wer etwas hinter die Kulissen schaut findet den Wartesaal für Peruaner. Auf Holzbänken, mit Gitterstäben getrennt, Zugluft kostenlos.
Ich hatte keine Gelegenheit einen Peruaner zu fragen wie sie die Situation empfinden. Wie auch? Durch die Gitterstäbe? Vielleicht begrüssen sie es, dass die “reichen” Besucher einen hohen Preis zahlen müssen. Den Luxus und die Annehmlichkeiten brauchen sie wohl kaum. Geht das Geld denn auch an den richtigen Ort? Wem gehört PeruRail? Wikipedia meint zu 50% der britischen Kette Orient Express Hotels und zu 50% einem peruanischen Clan. Dann gibts wohl ausser Steuern nichts für den Staat und seine Menschen.
Kosten
So ein Machu Picchu Besuch ist sicher ein Highlight jeder Perureise, aber auch der teuerste Ausflug im Land.
– Zugtickets Ollanta – Aguas Calientes und retour: 110 USD
– Bustickets Aguas Calientes – Eingang MP: 50 USD
– Eintritt Machu Picchu: 19 USD
Ohne Essen und Übernachten also schon rund 180 USD nur zum Hinkommen.
Eine andere Möglichkeit ist sicher der Inkatrail oder dessen Alternativen. Der mehrtägige Trek mit Guides bietet viel Natur kostet aber auch ca. 400 USD. Es gibt Leute, die da nicht mehr mitmachen. Es gibt nämlich eine Alternative. Hier nur grob: Cusco – Santa Maria – Santa Teresa – Aguas Calientes. Von da kann auch hochlaufen, wer noch den Bus sparen will. Dies ist aber nicht besonders attraktiv. Die beschriebene Strecke ist wohl für budgetbewusste Backpacker eine echte Alternative.





Hallo zäme, tolles Bild mit der Inka-Stätte und dem Lama, gehören die Stufen auch dazu oder wurden die später für die Touristen gebaut? Weiss man etwas über das Alter der Ruinen? Sind die Bauten aus behauenem Stein? Sieht so glatt aus, wie verputzt. Liebe Grüsse mami
Viele Wege wurden nachträglich angelegt. Vor allem ausserhalb der Ruinen und wohl auch auf die Berge.
Die Steine sind wirklich glatt und schön etwas bauchig ausgeführt. Auf dem Gelände gibt es auch einen Steinbruch. Mit Kupferstangen und quellendem Holz wurden Blöcke gebildet. Feinarbeit mit Meissel, dann Schleifen. Kein Verputz. Kein Mörtel. Manche Klötze haben bis zu 32 Ecken.
Die Stätte wurde im 15. Jh erbaut. Zur Blütezeit der Inkas.