Die letzten gemeinsamen Tage verbrachten in Cusco. Dazu buchten wir vom 21.6 zum 25.6 in der Pension Alemana – einem gepflegten Hotel mit eigener, günstiger Cafeteria. Von da hatten wir beste Aussicht über die Stadt.
Die Lage am Hang verlangte von uns täglich etwas ab. Den Muskelkater vom Machu Picchu spürten wir nämlich noch.
Es fanden täglich Feierlichkeiten statt. Ob nun ein Umzug, Musik oder Feuerwerk, es gab stets etwas zu sehen im Rahmen des Inti Raymi, dem Fest der Sonne.
Mir selber gings anfangs nicht besonders. Matt und müde, erhöhte Temperatur. So blieb ich im Hotel. Annette und Christin waren jeden Tag in der Stadt und sahen viele bunte Umzüge und kauften da und dort Waren für Zuhause. Taschen, Stoffe etc. Sie konnten beim Handweben von Stoffen zuschauen und staunen wie die schönen Muster entstehen.
Inti Raymi
Am 24. Juni, ein Tag vor Abflug, fanden die Hauptfeierlichkeiten statt. Es wurde viel diskutiert im Vorfeld. Wo soll man am besten stehen? Was kostet wie viel? Gibt es ein Programm? Bei so viel Unklarheiten verging uns fast die Lust am Fest, denn niemand wusste was Sache ist. Die Angebote um die Aufführungen bei Sacsaywaman zu sehen reichten von überteuerten Tribünenplätzen bis hin zu kostenlosen Sitzplätzen auf einer Anhöhe.
Nachdem wir vom Umzug auf der Plaza de Armas nur noch den Schluss sahen, entschieden wir ohne Ticket einfach mit den Einheimischen mitzulaufen. Die Menschenmassen zogen hoch durch die Gassen. Beim Eintrittstor, wo jeder sonst den Eintritt berappt, stand keiner. Wir konnten also kostenlos aufs Gelände gelangen. Nur die Tribünen waren den zahlenden Gästen vorbehalten. Zu unserem Erstaunen waren diese Plätze nicht einmal ausgebucht. Wir marschierten auf eine der zwei Anhöhen und setzten uns auf die Wiese.
Gegen 14:00 Uhr begann das Spektakel und dauerte bis ca. 15:30. Musik wurde gespielt, Formationen stampften auf dem Areal umher und sogar eine Ziege wurde geopfert. Dazu redete ein Sprecher in Quechua. Verstehen konnten wir nichts, eindrücklich war es aber trotzdem.
Alte Bekannte
Gleich nach der Vorführung hatten wir eine Verabredung zum Kaffee. Nicole aus Bülach, lebt seit einiger Zeit in Cusco. Spannend wie das Leben so spielt. Nach längerer Zeit in Asien (Singapur, für eine Bank tätig), reiste sie über ein Jahr durch Südamerika und nennt nun Cusco ihr Zuhause, mit Mann und Kind. Bei einem leckeren Cappuccino tauschten wir unsere Geschichten aus.
Abendessen auf der Strasse
Nach vielen Restaurants hatte ich wieder Lust auf Strassenküche. Eine Hühnersuppe sollte es sein.
Die Nudeln sind typischerweise zu weich, aber geschmacklich war es eine gute Suppe. Ein Spritzer Limette bringt noch etwas Frische. Für 4 PEN, also ca. 1.30 CHF, wird die Hygiene dafür nicht besonders gross geschrieben, so dass es später durchaus etwas rumpelte im Magen.
Abflug und Abschied
Der 25.6. war grosser Reisetag. Die Rücksäcke wurden gepackt und was nicht mehr reinpasste wurde im Extraköfferchen verstaut. Dies bedingte aber eine zweitägige Vorbereitung. Maximalgewichte wurden recherchiert, Kosten telefonisch abgeklärt. Dramen spielten sich ab, als es darum ging was nun mit Lastesel Netti nach Hause soll und was nicht.
Es resultierte eine deutliche Gewichtsreduktion bei Christins Rücksack. Fast könnte sie mein Leichtgewicht konkurrieren.
Das Check-In dauerte ewig. Nicht nur war die Schlange lang nach dem Fest, nein, ich war diesmal ein richtiger “Schalterbesetzer”. Wir wollten das Gepäck durchgecheckt haben bis Bogotá. Die Schwierigkeit waren aber die unterschiedlichen Reservierungsnummern. Es handelte sich ja um zwei unabhängige Reisen im System – zu dritt nach Lima, dann unterschiedlich weiter. Es klappte dann schliesslich. Auch die Frequent Flyer Nummer war abgelegt und wir erhielten Boardingpässe für Bogotá. Juhu!
In Lima hatten wir genügend Zeit. Zunächst für ein Mittagessen. Mit meinem Thunfischsandwich widersetzte ich mich stur den Versuchungen im Flughafen. Flughafenpreise sind wie immer das Doppelte oder Dreifache teurer und Qualität eher schlechter. Das Brötchen und die Dose Thunfisch hatte ich schon. Es fehlte eine Sauce. Die holte ich mir beim Restaurant für mein angeblich gekauftes Essen.

Tipp für Vielflieger. Das Gepäcketikett lässt sich für längeres Rumkarren verwenden: Bremse dauerhaft gelöst. Nicht zu empfehlen auf Bahnhöfen!
Annettes Einchecken dauerte unglaublich lang. Sie konnte in Cusco nicht durchchecken, da sie mit KLM von Lima weiter flog. Trotzdem blieb anschliessend noch Zeit für Kaffee.
Dann verging die Zeit plötzlich schnell. Was wir lange voraus geplant und getüftelt hatten, wurde Wirklichkeit. Unsere Flüge sollten mit nur einer Stunde Zeitunterschied starten. Es kam noch besser: unsere Flieger standen sogar neben einander! Christin und ich stiegen ein. Ein bisschen feuchte Augen waren auch im Spiel. Jedoch nicht ganz so schlimm wie eine allein reisende Passagierin, die bei uns ganz zum Schluss einstieg. Sie heulte richtig los. War es Flugangst oder ein Abschied für immer? Eine Flugbegleiterin konnte sie beruhigen.
Rückblick
Das war Peru! Von Lima aus hatten wir die klassische Route bereist – und zwar im Gegenuhrzeigersinn. Die Stationen waren Paracas, Nasca, Arequippa, Puno, das Valle Sagrado mit Machu Picchu und schliesslich Cusco. Unsere Etappenplanung ging jeweils mit +/- 1 Nacht auf. Im Nachhinein waren wir froh den Weg so gewählt zu haben. Nicht nur wegen der besseren Anpassung an die Höhe sondern auch weil ansonsten nach dem Highlight Machu Micchu / Cusco wohl alles in dessen Schatten steht. Die Küstengegend war überraschend eintönig. Viel Wüste. Diese hat auch seinen Reiz. Man sollte aber etwas Wüstenfan sein um die Schönheit zu erkennen und geniessen zu können und schliesslich wären die Nasca Linien sonst gar nicht realisierbar gewesen. Als i-Tüpfelchen konnten wir den Abstecher in den Amazonas Perus machen.
Wir trafen überall freundliche Menschen und fühlten uns immer sicher. Wie in jedem Land bisher faszinierten uns die Einheimischen in ländlichen Gegenden. Es sind Menschen ohne viel Geld, die mit einfachen Mitteln ihr Leben bewältigen, hart arbeiten aber auchnGlück ausstrahlen. Kinder kriegen wohl wenig Geschenke. Sie sind draussen und spielen mit einem Stecken und einem platten Ball. Manch einer denkt an die Kindheit zurück…
Peru ist sicher (noch) eine Reise, denn wir beschränkten uns auf den südlichen Teil und der Norden bietet noch so viel!





Hallo ihr Lieben, zum Glück ist unser Matt wieder unter den Lebenden, Strassenküchen sind doch nicht für alle Mägen und Därme geeignet, und berichtet von all den tollen Erlebnissen. Unser Lastenesel Annette ist wohlbehalten zuhause angekommen. Ich bin sehr froh darüber.
Nun wünschen wir euch eine gute Gesundheit und viel Spass beim weiterreisen.
Annette bewältigt heute den 1. Arbeitstag.
Liebe Grüsse
von OMI und Opa
Tatsächlich bin ich wieder fit. Werde wohl nie erfahren, welcher Käfer das war. Aber es war gut wenn noch jemand da ist.
Auch du hast alles liebe Leute um dich, dann geht so ein Spitalaufenthalt viel besser von Statten, wirst sehen.
Grüsse Matt
Lieber Matt, ich habe eben deine lebendige Schilderung unserer letzten gemeinsamen Tage in Peru gelesen und hatte meine Freude. Rückblickend muss ich über unsere Packaktion lachen, und ich bin froh,dass ich auf dem Frankfurter Flughafen nicht unter der Last der vielen bunten Stoffe und Klamotten zusammengebrochen bin. Im Bus zum anderen Terminal sammelte ich mitleidige Blicke von anderen Reisenden,die nur ein Rollköfferchen bewältigen mussten aber ich kam mir nach unserem Peru- Höhentraining vor wie Herkules und war erstaunt, dass ich mit 22kg Rucksack , dem Handgepäckrucksack und dem 10 kg Köfferchen noch zum Zug rennen konnte. Als ich dann mit all meinen Gepäckstücken im Zug saß,wurde mir bewusst , dass mich das hektische Deutschland wieder hat und für mich die wirklich schöne gemeinsame Reisezeit nun zu Ende ist. Es war super! Der Abschied ist mir schwergefallen ,gerne wäre ich mit euch noch ein Stück durch die Welt gezogen . Für mich wird es ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Geniest noch eure Freiheit in der großen weiten Welt , die Erinnerungen kann euch später keiner nehmen . Liebe Grüße Mutti – Netti-
Wir haben uns gefreut, dass mit dem Flug alles geklappt hat. Haben natürlich mit dem Tracker alles verfolgt. “Leider” ist das Gepäck angekommen.. hihi. Aber das hast du ja mit Leichtigkeit geschafft. Wir haben das Höhentraining fortgesetzt mit einem 7.5 km Spaziergang zu einer Lagune ausserhalb. Bericht folgt.
Der Abschied ist auch uns schwergefallen. Erst an den folgenden Tagen realisierten wir, dass du weg bist bzw. wieder zu Hause.
Liebe Grüsse
Matt