Nach einer kühlen Nacht auf einer harten Matratze wurden wir unsanft geweckt. Zunächst dachten wir der Ruf gelte nicht uns, aber als dann auf Englisch kam: “Get up, Immigration!” war klar, dass wir gemeint sein mussten. Wir waren schliesslich die einzigen Gäste.
Zerzaust und Christin noch im Schlafanzug erschienen wir zum morgendlichen Appell. Vor der Tür am Tisch sassen neben dem Guesthouse Besitzer zwei Beamte von der Immigrationsbehörde. Einer sprach etwas Englisch und der andere war der Schreiberling. Natürlich sollten wir unsere Visa zeigen und unsere Pläne offenlegen. Gerne hätte ich meinen Pass gezeigt, doch den hatte die Motorradvermietung. Endlich konnte ich meine laminierte Farbkopie des Passes einmal gebrauchen. Von der Seite mit dem Visum hatte ich keine Kopie. Der Beamte gab sich schliesslich mit dem Zahlungsbeleg für das Visum und dem Mietvertrag für das Motorrad zufrieden. Zum Schluss erklärte er uns den Grund für sein Aufkreuzen. Die Region Xaysomboune sei für Touristen noch nicht offen. Man müsse sich voranmelden, meinte er. Von dieser Regelung hatte ich noch nichts gehört oder gelesen. Zwar wusste ich, dass es Spannungen gab zwischen Hmong und der restlichen Bevölkerung, doch diese Sperrzone wurde seit längerer Zeit aufgehoben. Der Schreiberling machte seine Notizen in ein höchst inoffizielles Kritzelbuch. Gespannt warteten wir bis der Geldbetrag genannt wird, denn darauf läuft es wohl raus, dachten wir uns schon. 20000 Kip pro Person sollten es sein. Ich gab ihm einen 50 Tausend Kip Schein, umgerechnet ca. 5 Franken. Rückgeld konnte er mir nicht geben und eine Quittung schon gar nicht. Ich sagte, sie sollen einen schönen Kaffee trinken gehen für den Rest.
Das Gute an dieser Sache war, dass die Beamten sicherstellen wollten, dass wir bloss auch wieder verschwinden und uns dazu einige Tipps zur Weiterfahrt gaben. Unser Boot zum Beispiel würde um 11:00 fahren und der Weg dahin dauere ca. 1-2 Stunden.
Also aufgetankt und losgefahren. Die Strecke vom Vorabend, welche wir bei Dunkelheit gefahren waren, entpuppte sich als wunderschöne Strecke mit Blick auf sanfte Hügel nach Süden und tolle Felsformationen gegen Norden. Erschreckend hingegen war der Abgrund neben der ungesicherten Strasse. Christin freute sich bereits auf andere Touristen, denn ganz alleine unter Einheimischen fühlte sie sich nicht wohl. Xaysomboun war auch der Wendepunkt der Reise. Von nun an sollte es wieder Richtung “Zuhause” gehen. Erstes Ziel war Nam Ngon. Wir fanden den Weg gut, denn anfangs gab es nur einen. Dann kam eine Gabelung die uns rätseln liess. Da wir nicht weiter wussten und niemand zum Ausfragen da war, ging ich schnell in die Büsche. Hätte ja sein können, dass mir da die zündende Idee gekommen wäre. Leider nein, doch beim Umdrehen entdeckte ich den Wegweiser, der weg gedreht war, so dass er kaum noch zu sehen war. Kurz darauf fragten wir noch zusätzlich bei der Kupfer- und Goldmine nach. Die Richtung war bestätigt. Wir konnten uns auch keinen Fehler erlauben, denn sonst wären wir unter Zeitdruck gekommen wegen der Abfahrt des Bootes. Die Anlegestelle liegt ausserhalb von Nam Ngon. Eine Schotterpiste führt von der Ortschaft runter zum See und kostete uns noch einmal richtig Zeit. Eine halbe Stunde vor Abfahrt des Bootes erreichten wir die Anlegestelle. Da wir noch kein Fruehstueck gehabt hatten, war es höchste Zeit fuer eine Mahlzeit. Natürlich eine Nudelsuppe. Das Motorbike wurde vorher aber durch einen Angestellten, der sich später als Kapitän herausstellte, ins Boot gerollt zu anderen Motorbikes und ein Rind, ganz hinten im Boot.

Los ging die Fahrt. Auf der ganzen zweistündigen Fahrt sahen wir nur eine handvoll Menschen, nämlich in kreuzenden Booten. Wir konnten durchatmen und die Natur geniessen und hatten Zeit zum Nachdenken. Wir hatten viel geschafft bis zu dem Zeitpunkt und waren schon halbwegs zurück aus der Abgeschiedenheit. Bei Christin machte sich Erleichterung breit, ich war wehmütig, dass wir weiter mussten, denn ich ich fühlte mich immer willkommen und genoss die Zeit abseits von Trubel und Verkehr.
Wir legten an in Lak Sao Sy. Ueber ein Brett fuhr ich die Suzuki vom Boot. “Blick nach vorne, wo du hin willst und bloss nicht nach unten”, dachte ich.

Dann bepackten wir das Motorbike wieder und fuhren los. Der Zustand des Weges weg von der Anlegestelle war wiederum herausfordernd. Dies überraschte uns nicht wirklich. Christin musste einige Male absteigen, da sonst die Stossdaempfer durchgeschlagen worden wären. Erst nach einer Stunde erreichten wir die asphaltierte Strasse. Ein tolles Gefuehl. In dem Moment bog ein Bus mit Schulkindern in die Schotterstrasse ein und alle winkten uns zu. Eine schöne Begruessung.

Auf der Strasse 5 rollten wir weiter Richtung Route 13, welche Vang Vieng mit Vientiane verbindet. In Houay Mo treffen sich die beiden Strassen. Es war Nachmittag und wir planten die Übernachtung nördlich von Vientiane. Im Lonely Planet stiessen wir auf das Nam Lik Eco Village.