Ein Unglück kommt selten allein

Zunächst hatte Christin das Foto von Fenja verloren. Es muss wohl beim Bezahlen bzw. beim Sortieren der Scheine rausgefallen sein. Die heutige Suche blieb erfolglos.
Am Abend buchte ich dann den Flug nach Hanoi. Zum Buchen des Fluges benötigte ich meine Kreditkarte. Mit Schrecken stellte ich dabei fest, dass meine Postbankkarte fehlte.

In Gedanken den ganzen Tag durchgespult. Ja, ich hatte Geld abgehoben. “Da muss ich wohl die Karte stecken gelassen haben”, dachte ich. Wo sollte sie sonst sein. Ich habe ja immer Ordnung im Portemonnaie. Und es war auch tatsächlich denkbar, denn nicht wie bei uns kommen die Geldscheine vor der Karte aus dem Automaten.
Noch schnell den Flug fertig gebucht, dann schwang ich mich auf das Motorrad und düste durch die dunkle, ruhige, aber warme Nacht hin zum dem Geldautomaten ein paar Strassen weiter.
Kaum in die Hauptstrasse eingebogen, wurde ich als einzelner Mann von zwei motorisierten Prostituierten, ebenfalls auf dem Roller, aufgeholt. Sie machten Andeutungen, welche mir sowieso egal waren und in Sorge um die Karte besonders. Ich beschleunigte sie Suzuki und bog bald ab.

Beim ATM angekommen, fragte ich zunächst im Minimarkt nebenan, ob jemand eine Geldkarte abgegeben hatte. Genau genommen fragte ich nicht, sondern spielte im Laden die Szene oskarreif nach. Ich fand raus, dass sie wohl keine Karte hatten.

Als nächstes rief ich bei der BCEL Bank an. Zuvor aber überlegte ich, wie ich den Standort des ATM am besten erklären könnte.
Obwohl schon knapp 23 Uhr war, antwortete eine männliche Stimme. Englisch sprechen konnte der hilfsbereite Mitarbeiter auch gut. Nach ein paar weiteren Fragen konnte er mir bestätigen, dass die Karte eingezogen wurde und mir die Lösung meines Problems servieren. Am nächsten Tag könne ich meine Karte beim Cardcenter der Bank abholen, meinte er. Juhu, also in unter 24 Stunden. Ich war begeistert. Ob das in der Schweiz auch so rasch und unkompliziert gehen würde? Nicht zu vergessen, es war in Laos.

Ich setze mich auf das Motorbike und fuhr los Richtung Hotel. Nach 100 Metern wurde die Fahrt holprig und das Hinterrad fühlte sich instabil an. Nein, ein platter Reifen! Das auch noch.
Was nun?
1. Einfach weiterfahren, ist ja nicht mein Motorbike?
2. Schieben bis zum Hotel, ca. 2 Kilometer?
3. Stehenlassen und zu Fuss weiter?
Erschwerend kam hinzu, dass ich für die Moto-Mädchen ein leichtes Opfer war. Konnte schliesslich nicht mehr davon fahren. Irgendwann begriffen sie dann, dass ich andere Sorgen hatte.

Variante 1 schied gleich aus wegen zusätzlichen Schäden und der Sicherheit und ich entschied mich für die 3. Aber einfach am Strassenrand stehenlassen geht hier nicht, denn beim Vermieter wurde uns gesagt, dass häufig die qualitativ hochwertigen Japaner geklaut werden (Honda, Suzuki). Gleich in der Nähe war das Lao Plaza Hotel. Dort fragte ich, ob sie die Suzuki unterstellen können. Mein Vorschlag war, dass am nächsten Tag der Vermieter den Roller holen kommt. Ein Mann an der Rezeption rief also den Vermieter an und erklärte.
Nach langem Gerede sagten sie mir, dass sie keinen sicheren Einstellplatz hätten und sie wären ja dann verantwortlich. Deshalb verlangte der Vermieter, dass ich den Roller auf ein TukTuk hieve und damit zum Hotel fahre. So etwas Umständliches konnte ich gar nicht haben.
Wieder draussen traf ich neben dem Hotel auf Leute die die Motorräder für die Nacht reinschoben. Was für eine Gelegenheit. Da passt meines auch noch rein. Ich versuchte zu erklären, was ich wollte aber mehr als “No” oder “No have” kam nicht. Schliesslich kam ein junger Mann der Englisch sprach und meinte ich solle doch schieben bis zur Werkstatt. Naja, um die Zeit und wie weit denn, dachte ich. Ich bedankte mich und los ging es. Tatsächlich fand ich die Werkstatt noch geöffnet vor. Für umgerechnet 70 Rappen und in unter einer Bierlänge (kleines!) war der Schlauch geflickt und ich fuhr ins Hotel.
image Schlauch flicken, abends spät

Am nächsten Tag holten wir zusammen die Bankkarte ab. Die Mitarbeiterin zückte einen Stapel von Karten und meine war wie versprochen da.

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